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Wildleder Sneaker reinigen, ohne sie zu ruinieren

Von Jens Könnig5 Min. Lesezeit
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Wildleder sieht am Fuß fantastisch aus. Bis zum ersten Regenschauer, dem ersten Kaffeetropfen oder dem Moment, in dem dir jemand in der Bahn auf die Spitze tritt. Dann merkst du schnell: Mit dem Rezept für Glattleder kommst du hier nicht weit.

Das Gute ist, dass Wildleder mehr verzeiht, als man denkt. Solange du die zwei großen Fehler vermeidest: zu viel Wasser und zu viel Druck.

Schneller Check: Welcher Fleck auf welchem Material? Der Fleck-Doktor zeigt dir in zwei Klicks, was hilft.

Was Wildleder so empfindlich macht

Wildleder ist die angeschliffene Innenseite der Haut, Nubuk dagegen die angeschliffene Außenseite. Beide haben eine samtige Oberfläche aus feinen, aufgestellten Fasern, den sogenannten Flor. Genau der gibt dem Material seinen Look, und genau der wird platt, verfilzt oder fleckig, wenn du ihn falsch behandelst.

Viele Sneaker aus Wildleder, etwa klassische Terrace Modelle wie der Samba oder der Gazelle in den Suede Versionen, kombinieren das Material außerdem mit Glattleder oder Gummi. Du hast also oft zwei, drei Materialien an einem Schuh, die du unterschiedlich behandeln musst.

Das brauchst du

Eine Wildlederbürste ist Pflicht. Die meisten haben zwei Seiten: Borsten oder Messing für die Fläche und eine Gummi oder Kreppseite, die den Flor sanft aufrichtet. Dazu ein Wildleder Radierer, ein Suede Reiniger für hartnäckige Fälle und ein Imprägnierspray für danach. Mehr nicht.

Schritt 1: Trocken anfangen

Lass den Schuh komplett trocknen, wenn er nass geworden ist. Nasses Wildleder zu bürsten ist eine schlechte Idee, du drückst den Schmutz nur tiefer rein. Bei Zimmertemperatur, mit Papier ausgestopft, keine Heizung.

Dann den groben Dreck in eine Richtung abbürsten. Leichter Druck, kurze Striche. Danach einmal gegen den Strich, damit sich der Flor wieder aufstellt. Du wirst überrascht sein, wie viel das allein schon bringt.

Schritt 2: Flecken mit dem Radierer

Für Schuhabdrücke, glänzende Stellen und leichte Flecken nimmst du den Wildleder Radierer. Wie ein normaler Radiergummi, nur für Leder. Mit wenig Druck über die Stelle reiben, Krümel wegbürsten, fertig.

Glänzende, platt gedrückte Stellen kannst du so oft wieder aufrauen. Bei sehr hartnäckigen Fällen hilft es manchen, den Schuh kurz über Wasserdampf zu halten und danach zu bürsten. Aber wirklich nur kurz und mit Abstand, sonst wird das Leder nass.

Schritt 3: Wenn es nass werden muss

Manche Flecken gehen trocken nicht raus. Dann kommt ein spezieller Wildleder Reiniger ins Spiel. Wichtig: wenig Produkt, und immer erst an einer unauffälligen Stelle testen, zum Beispiel an der Innenseite der Ferse.

Ich arbeite dann mit einer weichen Bürste und wenig Schaum, und zwar über die ganze Fläche des Teils und nicht nur punktuell auf dem Fleck. Klingt unlogisch, verhindert aber Wasserränder. Wenn nur eine Stelle nass wird, trocknet sie mit einem Rand ab, und den siehst du danach mehr als den ursprünglichen Fleck.

Schaum mit einem Tuch abnehmen, ausstopfen, trocknen lassen. Am nächsten Tag wieder aufbürsten.

Spezielle Flecken

Fett und Öl. Nicht reiben. Etwas Speisestärke oder Babypuder drauf, über Nacht einziehen lassen, dann abbürsten. Das Pulver zieht einen Teil des Fetts aus dem Material. Nicht immer alles, aber oft genug, um den Rest mit dem Reiniger zu schaffen.

Wasserflecken. Klingt paradox, aber hier hilft oft gleichmäßiges Befeuchten des ganzen Teils mit einem feuchten Schwamm. Dann trocknet alles einheitlich.

Salzränder im Winter. Das sind die weißen Ränder nach Schneematsch. Ein Suede Reiniger löst sie meist. Danach unbedingt imprägnieren, sonst hast du das Problem eine Woche später wieder.

Kaugummi. Schuh in einer Tüte ins Gefrierfach, dann lässt sich der harte Kaugummi oft abknibbeln. Reste mit dem Radierer.

Bitte nicht

Keine Waschmaschine. Wildleder kann darin hart, fleckig und verformt rauskommen. Kein Föhn und keine Heizung zum Trocknen, das Leder wird brüchig. Keine Glattlederpflege und keine Schuhcreme, die verkleben den Flor. Und kein normaler Haushaltsreiniger, der kann die Farbe ausbleichen.

Ein Punkt noch zu hellem Wildleder in Beige, Grau oder Rosa: Hier siehst du jeden Fehler. Teste neue Produkte immer zuerst an einer versteckten Stelle.

Die Sohle nicht vergessen

Bei vielen Wildleder Sneakern ist die Sohle aus hellem Gummi. Die reinigst du getrennt mit Bürste und etwas Wasser, und zwar so, dass kein Wasser aufs Obermaterial läuft. Wenn die Gummisohle schon gelb ist, schau in meinen Artikel zu vergilbten Sohlen. Dort klebst du das Wildleder unbedingt gut ab.

Imprägnieren lohnt sich hier am meisten

Wenn ich bei irgendeinem Material zum Imprägnieren raten würde, dann bei Wildleder. Ein gutes Spray sorgt dafür, dass Wasser und Schmutz abperlen, statt einzuziehen. Neue Schuhe vor dem ersten Tragen einsprühen, mit etwas Abstand, gleichmäßig, draußen oder bei offenem Fenster. Gut trocknen lassen und danach alle paar Wochen auffrischen, je nachdem, wie oft du sie trägst.

Imprägnieren ersetzt keine Reinigung, aber es macht die nächste Reinigung deutlich einfacher.

Meine Empfehlungen

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Kurz gefragt

Kann ich Wildleder Sneaker in die Waschmaschine stecken?

Davon rate ich klar ab. Das Leder kann hart werden, Flecken bekommen und die Form verlieren.

Wie bekomme ich platt gedrückte Stellen wieder flauschig?

Mit der Gummi oder Kreppseite der Bürste gegen den Strich bürsten. Bei hartnäckigen Stellen vorher kurz Wasserdampf mit Abstand.

Was mache ich bei einem Rotweinfleck?

Sofort mit einem trockenen Tuch abtupfen, nicht reiben. Danach trocknen lassen und mit einem Wildleder Reiniger behandeln. Je schneller, desto besser.

Ist Nubuk dasselbe wie Wildleder?

Nicht ganz, wird aber fast gleich gepflegt. Nubuk ist meist etwas feiner. Auch hier gilt: trocken arbeiten, wenig Wasser, imprägnieren.

Du hast auch weiße Glattleder Sneaker im Schrank? Dann lies weiter bei Weiße Sneaker reinigen.